Pierre Corneille, der französische Shakespeare

Pierre Corneille, der französische Shakespeare
Pierre Corneille: Le Cid, Atelier Théâtre Actuel, Foto: Geoffrey Callènes

Pierre Corneille wurde am 6. Juni 1606 in Rouen geboren und starb am 1. Oktober 1684 in Paris.

Als Sohn eines königlichen Jagd- und Fischerei-Aufsehers genoss Pierre Corneille eine gründliche Ausbildung am Jesuitenkolleg seiner Heimatstadt, bevor er Rechtswissenschaften studierte und sich schnell in dem Fach auszeichnete: Mit achtzehn Jahren war er Anwalt, mit zweiundzwanzig Richter, doch seine eigentlichen Ambitionen galten der Poesie und dem Drama.

1629 kommt eine fahrende Theatertruppe nach Rouen. Der dreiundzwanzigjährige Dichter aus Leidenschaft bietet sein Lustspiel Mélite an und kann sich schon bald über den ersten Erfolg in der französischen Hauptstadt freuen. Seine »Entdecker« erhalten jetzt regelmäßig neue Stücke, zumeist Komödien über die Zustände der Pariser Gesellschaft, in der sich der junge Corneille fortan bewegt.

Nach dem sensationellen und dauerhaften Erfolg seines Schauspiels Le Cid erhebt König Ludwig XIII. den Vater des Dichters in den Adelsstand, so dass der Sohn (rückwirkend) adlig geboren ist. Die Zahl der Neider wächst rasch, eine ironische Streitschrift des Attackierten führt 1637 zu einer heftigen Kontroverse, die erst durch Kardinal Richelieu und die Académie Française sowie durch den vorübergehenden Rückzug Corneilles beendet wird. Indessen der akademische Streit die allgemeine Beliebtheit des Cid nicht vermindert, bleibt der Autor desselben für zwei Jahre in seiner Heimatstadt, bevor er sich 1640 mit seinem Horace zurückmeldet. Es folgen mehrere Tragödien, deren klassisch strenger Aufbau gewiss Anteil daran hatte, dass Corneille 1647 in die Académie Française aufgenommen wurde.

Bis zum Misserfolg der Tragödie Pertharite, roi des Lombards (1652) beherrscht Pierre Corneille mit seinen Lust- und Trauerspielen die Pariser Szene. Dann begibt er sich grollend wieder nach Rouen – dieses Mal für sieben Jahre. 1659 kann ihn Nicolas Fouquet, der Finanzminister des jungen Ludwig XIV., noch einmal »aktivieren«: Es entsteht die Tragödie Œdipe, mit der Corneille wiederum reüssiert. Seine letzten Stücke, vornehmlich über Sujets aus der römischen Geschichte, können den Popularitätsverlust jedoch nicht mehr aufhalten. Jean Baptiste Poquelin, besser bekannt als Molière, und Jean Racine repräsentieren die neue Zeit. Bald haben sie den »alten« Klassiker überflügelt, der längst gelernt hatte, sich den akademischen Vorschriften zu fügen.