Was passiert eigentlich in den Stücken Lope de Vegas?

Was passiert eigentlich in den Stücken Lope de Vegas?

12. Mai 2014

Einer der bedeutendsten Dichter unter den Zeitgenossen Shakespears ist der Spanier Lope de Vega. Deshalb werden beim diesjährigen Shakespeare Festival im Globe Neuss seine Stücke El perro del hortelano und El castigo sin venganza gezeigt.

Félix Lope de Vega Carpio wurde 1562 in Madrid geboren, wo er 1635 auch als „el Fénix de España“, der spanische Phönix, die Bühne des Lebens wieder verließ. Der herausragende Dramatiker einer Zeit, die man als das Goldene Zeitalter Spaniens bezeichnet, schuf sage und schreibe 1.800 Schauspiele und etliche hundert kürzere Stücke, von denen insgesamt an die fünfhundert erhalten sind.

Für die musikalische Untermalung der Inszenierungen sorgen Elena Borderias (Violine), Marco Panaria (Cello) und Pedro Michel Torres (Viola).

Da die Stücke in Deutschland recht unbekannt sind und sich eine Inhaltsbeschreibung der beiden Werke auf Deutsch schlecht finden lässt, gibt es nun hier die Möglichkeit, einen ersten Überblick zu bekommen.

El perro del hortelano
- Liebe aus Neid oder der Hund des Gärtners

Handlung

1. Akt

Teodoro, der Sekretär der Gräfin Diana von Belflor, und sein Diener Tristán sind auf der Flucht aus dem Palast von Belflor, nachdem Teodoros nächtliches Liebesabenteuer mit der Magd Marcela bemerkt wurde.
Aufgeschreckt von den Eindringlingen befiehlt die Gräfin ihrem Leibdiener Fabio, diese am Entkommen zu hindern. Die Flüchtigen drohen ihm mit dem Schwert, weshalb er sich ihnen beim Verlassen des Schlosses nicht in den Weg stellt.
Diana hat für dieses feige Verhalten nur Spott und Hohn übrig.
Der einzige Anhaltspunkt, ein Hut, den sie auf der Flucht nutzten, um die Kerzen zu löschen und so unerkannt das Schloss zu verlassen, legt den Rückschluss auf eine ärmliche Identität der Diebe nahe.
Diana gibt sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden und befragt ihre Mägde zum nächtlichen Vorfall. Im Einzelverhör verrät Anarda schließlich die heimliche Liebesbeziehung ihrer Freundin Marcela zu Teodoro.
Entgegen der Erwartung Marcelas, reagiert die Gräfin hierauf nicht mit Zorn über die Treuelosigkeit ihrer vertrautesten Magd, sondern macht ihr – mit Bitte um Diskretion - den Vorschlag zu vermitteln und eine Hochzeit zwischen den beiden zu organisieren.
Als Diana alleine ist, offenbart sie ihre geheimen Gefühle, die sie für Teodoro hegt und ihre Bedenken aufgrund des Standesunterschiedes.
Unter Vortäuschung einer Freundin helfen zu wollen, die in dem Dilemma stehe, eine Liebesbeziehung zu einem Mann niederen Standes zu führen, gibt sie Teodoro einen an die „Freundin“ gerichteten Brief zum Überlesen. In diesem stellt sie die Behauptung auf, Liebe entstehe aus Eifersucht. Diana bittet Teodoro, der die Meinung der Gräfin nicht teilt, einen eigenen Antwortbrief zu verfassen. Teodoro verweigert diese Bitte zunächst. In der Vermutung, dass die Freundin nur ein Vorwand und er mit dem Liebhaber „niederen Standes“ gemeint ist, willigt er letzlich doch ein.

Marquis Ricardo, ein Freier der Gräfin, erbittet Antwort auf seinen Heiratsantrag. Ähnlich, wie den zweiten Bewerber, Cousin Fredrico, vertröstet sie ihn mit ausweichenden Worten, als Teodoro mit dem von ihr verlangtem Brief hereinkommt. Der Marquis verlässt aufgebracht das Schloss.
In dem Brief führt Teodoro wortgewandt seine These aus, dass es nicht die Liebe ist, die aus Eifersucht entsteht, sondern viel mehr die Eifersucht der Liebe entwächst.

Im nächsten Zusammentreffen mit Marcela berichtet diese ihm von dem Vorschlag der Vermählung. Verwirrt über diese neue Auskunft, meinte Teodoro doch Anzeichen der Interessenbekundung Dianas an ihm erkannt zu haben, verspricht er Marcela zu heiraten.
Diana stört die Unterredung. Nun hat sie absolute Gewissheit über die Liebesbeziehung der beiden, ihre Eifersucht ist entfacht. Als Strafe für ihr unziemliches Handeln lässt sie Marcela wegsperren.
Teodoro versteht den Grund Dianas Handeln aus Eifersucht und dementiert seine Liebe zu Marcela.
Unter Verschleierung, einen erneuten Rat für ihre „Freundin“ zu suchen, diskutieren die beiden die Möglichkeit eine geheime Liebesbeziehung zu führen.
Als es zum ersten körperlichen Kontakt kommt, mahnt die Gräfin Teodoro, unter Drohungen, Stillschweigen zu wahren.
In einem inneren Koflikt entscheidet sich Teodoro dazu, seinem persönlichem „höherem“ Glück zu folgen und Marcela zu verlassen.

2. Akt

Es kommt zum Zusammentreffen zwischen dem Marquis und Graf Frederico, der angesichts seines Rivalen große Zweifel und Verunsicherung zeigt, wofür Diana ihn verspottet.
Teodoro fällt es immer noch schwer, seine Gedanken zu ordnen, hält aber an seinem Plan fest, alles auf eine Karte zu setzen und die Beziehung zu Marcela zu beenden.
Auch ein Brief Marcelas, der ihn zu Tränen rührt, kann ihn nicht umstimmen.
Als Teodoro Marcela seinen Entschluss mitteilt, schwört diese sich zu rächen und beginnt eine Affaire mit Fabio, der eigentlich an Anarda vergeben ist.
Diana gibt Anarda einen kleinen Einblick in ihre Gefühlswelt. Sie begründet die Ablehnung der zwei Anwärter damit, dass ihr Herz schon an jemand anderen vergeben sei. Aufgrund seines niedrigen Standes, würde sie bei Eingehen einer Beziehung jedoch ihre Ehre beflecken. Sie verrät Anarda nicht den Namen des Mannes ihrer Sehnsüchte, verkündet ihr aber die rationale Entscheidung, ihrem sehnsüchtigem Verlangen ein Ende zu bereiten.
Daraufhin ruft sie Teodoro, um von ihm einen Rat einzuholen, wen es klüger sei zu heiraten: Marcquis Ricardo oder Graf Frederico. Er erhält den Auftrag dem Marquis ihren Entschluss zur Vermählung mitzuteilen.
Von der Gräfin vor den Kopf gestoßen, entscheidet Teodoro sich zu einer Versöhnung mit Marcela. Zur selben Zeit beendet Marcela ihre Affaire mit Fabio, die sie all zu sehr an ihre Liebe zu Teodoro erinnert. Die beiden beschließen sich noch einmal zusammenzunehmen und ihrer Liebe eine zweite Chance zu geben.
Aus Eifersucht werden Dianas Gefühle zu Teodoro neu entfacht, Teodoro wendet sich ein weiteres Mal von Marcela ab. Diana schwankt zwischen Zuneigung und Ablehnung. Es kommt zum Streit zwischen ihr und Teodoro. Dieser, aufgrund der ewigen Unentschlossenheit Dianas außer sich, droht der Gräfin mit der Rückkehr zu Marcela. Beide werden ausfallend und es kommt so weit, dass Diana Teodoro ohrfeigt. Dieser stellt sie nun vor die Wahl einer endgültigen Entscheidung. Anstelle einer klaren Antwort greift Diana das Taschentuch, mit dem Teodoro sich nach der Ohrfeige das Blut vom Gesicht gewischt hat, und ordert 2.000 weitere Tücher dieser Art.
Teodoro und Tristán deuten dies als positives Zeichen.

3. Akt

Federico, der das letzte Treffen der Gräfin mit Teodoro beobachtet hat, weiht den Marquis in seine Vermutung ein, dass Diana Gefühle für ihren Diener Teodoro hegt. Um die Ehre Dianas zu retten, verbünden sich die beiden und beschließen Teodoro töten zu lassen.
Ricardos Diener wird damit beauftragt einen geeigneten Mörder aufzutreiben.
Als dieser ausgerechnet Tristán dafür auswählt, gibt dieser vor, den Auftrag annehmen zu wollen, um so an weitere Informationen zu gelangen.
Als Tristán seinen Herrn in die Machenschaften Federicos und Ricardos einweihen möchte, findet er diesen enttäuscht und rastlos umherwandernd.
Während Tristán verspricht einen Plan zu entwickeln, um seinem Herrn zu helfen, die Unterschiede des sozialen Standes zu überbrücken, beschließt seinem Leiden ein Ende zu bereiten. Distanz und Vergessen hält Teodoro für die beste Möglichkeit, eine unerfüllte Liebe hinter sich zu lassen, weshalb er die Gräfin um Erlaubnis fragt, nach Spanien gehen zu dürfen.
Nach langer Diskussion akzeptiert Diana schließlich seine Bitte, wobei sie ihre Trauer nur schwer zurückhalten kann.
Marcela, die immernoch tiefe Gefühle für Teodoro hegt, bittet Diana, diesen heiraten und mit ihm nach Spanien gehen zu dürfen. Diana erfüllt ihr diesen Wunsch nicht, sondern beharrt darauf, sie mit Fabio zu vermählen.
Verzweifelt über ihr Unvermögen angesichts der großen Macht Dianas versucht Marcela dennoch, Teodoro am Fortgehen zu hindern.
Beim Abschied von der mit Schmerz erfüllten Diana, lässt auch Teodoro seine Gefühle unverklärt zu und versichert ihr ein letztes Mal seine Liebe. Diana schenkt Teodoro ihren Ring, als Andenken, während Dorotea und Anarda hämisch über das traurige Ende der Liebesgeschichte tratschen.
Als der ältere Conte Ludovico samt Gefolge auftritt und seine Freude über die Entdeckung seines verloren geglaubten Sohnes Teodoro ausdrückt, scheint der Plan Tristáns aufgegangen: Als griechischer Kaufmann suchte er das Schloss Graf Ludovicos auf, um diesem mitzuteilen, dass er über eine Reihe glücklicher Zufälle, seinen verloren geglaubten Sohn Teodoro als Sekretär im Hause Belflor gefunden zu haben.
Da wandelt sich die Eifersucht Dianas in unvorbehaltlose Liebe, denn es steht nun kein Standesunterschied mehr im Wege.
Teodoro jedoch fürchtet, dass der Betrug auffliegen könnte. Diana vermutet Marcela als Grund für Teodoros unnachvollziehbares Festhalten an seinem Plan nach Spanien zu gehen. Dieser erzählt ihr die Wahrheit über Tristáns Versuch der Täuschung. Diana, aufrichtig angetan von Teodoros Ehrlichkeit, verspricht dieses Geheimnis für sich zu behalten und Teodoro zu heiraten.
Ludovico, der Teodoro als Nachfolger auf sein Schloss holen möchte, ist hoch erfreut über diese Nachricht und stimmt den Hochzeitsplänen zu.
Die erzürnten Verbündeten Conte Federico und Marquis Ricardo unterbrechen das Zusammentreffen und prangern Tristán als Dieb an, der Geld von ihnen empfangen, dem Auftrag Teodoro zu töten aber nicht nachgegange sei. Teodoro, in seiner neuen Machtposition, verteidigt seinen Diener. Federico und Ricardo müssen schließlich nachgeben.
Als Anerkennung für seine Dienste als treuer Diener und Grund für Teodoros und Dianas Liebesglück, leitet Teodoro die Vermählung Tristáns mit Dorotea in die Wege.

Eine Zusammenfassung von El castigo sin venganza folgt in Kürze

©Kulturamt Neuss

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