William Shakespeare mit Propeller: Richard III. und The Comedy of Errors

William Shakespeare mit Propeller: Richard III. und The Comedy of Errors

10. Juli 2011

Von äußerster Gegensätzlichkeit sind die beiden Schauspiele, mit denen die Mannen der Propeller Company in dieser Saison auf den Plan und die Bühne treten, nicht nur auf den ersten Blick. Die Comedy of Errors ist William Shakespeares kürzestes Stück, das historische Drama Richard III. nach Hamlet sein längstes (weshalb es die Briten für ihre aktuelle Produktion auch drastisch gekürzt haben). Und während auf der einen Seite in den "Irrungen" ein köstliches Durcheinander um zwei Zwillingspärchen entsteht, markiert Richard III. den Höhepunkt der "Rosenkriege", mit deren dramatischer Gestaltung der Dichter in der Trilogie seines Heinrich VI. begonnen hatte.

Und doch sind die beiden Werke auf mancherlei Weise miteinander verbunden. Zunächst ganz äußerlich in chronologischer Hinsicht: Richard III. dürfte 1592 und somit unmittelbar nach dem dreiteiligen Heinrich VI. (1591/92) entstanden sein, während die "Komödie der Irrungen" am 28. Dezember 1594 an Gray's Inn – und zwar vermutlich von Shakespeares eigener Truppe – gegeben wurde. Da nun die Londoner Theater zwischen Juli 1592 und April 1594 wegen einer heftigen Pest-Epidemie geschlossen waren, wäre es durchaus denkbar, daß Shakespeare das Lustspiel etwa zur selben Zeit geschrieben hat wie seine Historie, um nach der Zwangspause (in der er übrigens seine beiden Vers-Erzählungen dichtete) sogleich mit einer Neuheit aufwarten zu können. Annahmen, wonach die "Irrungen" sogar noch in Stratford entstanden seien, scheinen sich bei Betrachtung der theatralischen Mechanismen zu erledigen: Ohne die Erfahrungen mit einem professionellen Theater wäre ein Stück wie dieses wohl kaum möglich gewesen.

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