Von Rheda-Wiedenbrück nach Neuss - Das Dritte Globe

Von Rheda-Wiedenbrück nach Neuss - Das Dritte Globe
Foto: Christoph Krey

Der Theatermacher Reinhard Schiele entwickelte 1987 die Idee, für seine Wandertruppe "Schloßtheater Overhagen" eine mobile Bühne zu bauen und ließ sich dabei von Shakespeares Globe inspirieren. Eine originalgetreue Rekonstruktion des Londoner Theaters, wie sie seit 1987 in London gebaut wird, war dabei nicht sein Ziel. Seine Idee war vielmehr, eine Wanderbühne zu entwerfen, wie sie wohl auch Shakespeares Truppe heute errichtet hätte. In seinem ersten Entwurf sollte das heute zwölfeckige Globe - ähnlich seinem Vorbild - aus Holz bestehen, um in relativ kurzer Zeit auf jedem Markt- oder Kirmesplatz auf- und wieder abgebaut werden zu können. Die Feuerschutzbestimmungen machten diesem Plan bald ein Ende und die wesentlich aufwendigere und gewichtigere Holz-Stahlkonstruktion des heutigen Globe Theaters wurde entwickelt: Für eine mobile Wanderbühne war es nun nicht mehr geeignet, und nach einem ersten Theatersommer in Rheda-Wiedenbrück zur Bundesgartenschau 1988 stand es zwei Jahre leer. Ein neuer Standort für das 600 Zuschauer fassende Theater wurde gesucht. 1991 gelang es der Stadt Neuss und der Neusser Gemeinnütziger Bauverein AG das "Globe" nach Neuss zu holen, wo es seitdem auf dem Gelände an der Rennbahn steht. Hier findet ein jährliches Shakespeare Festival statt, bei dem international und national renommierte Truppen auftreten und das Shakespeare-Erbe in immer wieder neuer Form präsentieren. Im neuen wie im alten Londoner "Globe" ist die unmittelbare Nähe von Zuschauer und Schauspieler ein besonderer Reiz. Niemand sitzt im "Globe" mehr als zehn Meter vom Bühnengeschehen entfernt. Ohne großen technischen Aufwand ist so Theater hautnah zu erleben.
(Britta Ohmert)