Das neue Programm ist da !

Das neue Programm ist da !
A Midsummer Night's Dream ©Nobby Clark
Das neue Programm ist da !
Maß für Maß ©Marianne Menke
Das neue Programm ist da !
König Heinrich VIII ©Marianne Menke

March 13, 2009

Shakespeare
Festival
im Globe Neuss
5. Juni bis 30. Juni 2009

Am Freitag, den 5. Juni, beginnt im Globe Neuss das 19. Shakespeare Festival: Neun Compagnien aus den USA, England, Frankreich und Deutschland werden uns an der Neusser Rennbahn mit den unterschiedlichsten Facetten des Dichters und seinem Welttheater bekannt machen. Den Auftakt bildet das Gastspiel der Bayerischen Theaterakademie August Everding, die den Sommernachtstraum in zweifacher Ausgabe träumt – einmal in Gestalt des Shakespearschen Originals, dann aber auch in der »Semi-Oper« der Fairy Queen, die Henry Purcell 1692 auf die Bühne brachte.

Shakespeare und Partner aus Berlin bringen dann vom 8.-10. Juni eine Festivalpremiere ins sommerliche Neuss, und zwar in Gestalt des Historiendramas König Heinrich VIII, das zuletzt 1927 in einem deutschen Theater gespielt wurde. Und eine gewisse Zurückhaltung scheint geboten, denn bereits bei der Premiere vor 395 Jahren sorgte das Stück für mehr als politischen Zündstoff: Die für den Salut des ersten Aktes gelösten Musketen knallten nicht nur gehörig, sondern steckten auch das Strohdach des alten Londoner Globe in Brand, der Henry VIII. damit das Ende brachte. Da hoffen die Neusser auf weniger Pech.

Eine musikalisch authentische Atmosphäre verbreitet am 11. Juni die exzellente Gambistin Hille Perl, wenn sie im Rahmen des Festivals die Klänge des Komponisten John Dowland zum Leben erweckt. Der 1563 geborene Brite war ein in ganz Europa gefeierter Lautenist und Barde, dessen Lieder das melancholische Lebensgefühl des elisabethanischen Zeitalters spiegeln: In Darkness Let Me Dwell lautet denn auch das Motto, unter das Hille Perl ihr Programm gestellt hat, in dessen Verlauf sie mit der Sopranistin Dorothee Mields, dem Lautenisten Lee Santana und dem Gamben Ensemble Sirius Viols eine erlesene Hommage an den Shakespeare-Zeitgenossen präsentieren wird.

Die für das Neusser Festival unverzichtbare bremer shakespeare company ist in diesem Jahr mit Maß für Maß vertreten, einem Stück, dessen Aktualität sich auf den ersten Blick nicht aufdrängen mag: Das Wien des 16. Jahrhunderts leidet unter Sittenverfall und staatlicher Willkür - am Ende aber siegt die Tugend über Verrat und Erpressung (12. und 13. Februar).

Im Anschluß kommt die Compagnie Los Figaros aus Avignon: Rasant, herzhaft respektlos und voller Spielfreude werden die Schauspieler auch dieses Mal über die Bühne des Globe fliegen, wenn sie uns am Sonntag, 14. Juni, ihre Interpretation von Roméo et Juliette vorstellen, mit der sie in Paris bereits spektakuläre Erfolge erringen konnten.

Dasselbe Drama bringt auch das junge This Bridge Theatre aus Phoenix Arizona mit: Fünf Vorstellungen von Shakespeare's R& J sind vom 16. bis 18. Juni vorgesehen, und auch diese denkbar klein besetzte Variante, die das Stück in ein katholisches Internat verlegt, wird der allseits bekannten Liebesgeschichte wieder einige unvermutete Details abgewinnen. Beim vorjährigen Edinburgh Fringe Festival jedenfalls war das Publikum restlos begeistert von Joe Calarcos Bearbeitung, die vor allem auch den Schülern in Vorbereitung aufs Zentralabitur Spaß machen soll...

Die Globe Touring Company hat sich in diesem Jahr die Comedy of Errors vorgenommen, die tatsächlich ein erstklassiges Chaos zu bieten hat: Zwei Zwillingspaare, jeweils in der Kindheit voneinander getrennt, wobei je ein Zwilling als Diener des andern Pärchen agiert und dann ein listiges Schicksal, das sich den Spaß macht, die Doppelgänger in ein und derselben Stadt zusammenzuführen – wer da am Ende noch durchfindet, muß schon Shakespeare heißen.

Vom 24. bis zum 27. Juni ist dann die Watermill Propeller Company aus Newbury wieder im Neusser Globe, das vor zwei Jahren bebte, als die nach historischem Vorbild ausschließlich mit Männern agierende Truppe die »Widerspenstige« zähmte und auch mit der »Twelfth Night« einen wahren Orkan auslöste. Beim diesjährigen 19. Shakespeare Festival gibt es wiederum ein furioses Doppelpack, bestehend aus A Midsummer Night's Dream und The Merchant of Venice. Interessenten dieser Inszenierungen könnten freilich auch nach Tokio, New York oder Mailand reisen, um die spektakulären Aufführungen zu sehen!

Am Sonntag, den 28. Juni, reisen dann »Zwei Herren aus Verona« an. Wohlbemerkt: aus, nicht mit Verona: Denton Chikura und Tonderai Munyevu aus Simbabwe spielen unter dem Namen Two Gents Productions nicht nur die beiden Herren aus der Stadt mit der berühmten Arena, sondern dazu noch ein gutes Dutzend weiterer Rollen, und wenn der Wirbelsturm vorüber ist, werden wir dieses »Who's who?« sicher noch länger für uns sortieren müssen – am besten im Biergarten vor dem Globe oder am Tresen der Wetthalle.

Daß das Potsdamer Poetenpack sich ausgerechnet Verlorene Liebesmüh auf die Fahnen geschrieben hat, sollte nicht als Omen aufgefaßt werden: Nach den gelungenen Aufführungen des Hamlet im vergangenen Jahr ist eher damit zu rechnen, daß diese Komödie um den idealen, bildungsbeflissenen Renaissance-Staat, zu dem Frauen keinen Zugang haben (sollen), wieder ein großer Erfolg und ein würdiges Finale der Neusser Festspiele wird, die 29. und 30. Juni mit diesem Lustspiel und einem Happy End die Pforten schließen.

Last but not least muß doch noch auf einen Dauer(b)renner des Shakespeare Festivals im Globe Neuss hingewiesen werden: Auf die Lectures von Patrick Spottiswoode, der sich auch in diesem Jahr wieder spielerisch, humorvoll und profund vor dem Schaffen des Mannes aus Stratford upon Avon verneigt.

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