Interview mit Dan Jemmett zur Comédy des Erreurs

Interview mit Dan Jemmett zur Comédy des Erreurs

June 9, 2011

Molly Grogan, Kritikerin von ParisVoice, in ihrem Blog zur Premiere in Frankreich

... Dan Jemmetts theatralischer Ansatz – verspielt, visuell, verwurzelt in den prägenden Erfahrungen, die er als Kind eines Schauspieler-Ehepaars und später als Puppenspieler am Londoner Goldsmith's Art College machte – hat ihm gute Dienste geleistet. Er kann jetzt eine lange Liste von Produktionen in Frankreich vorweisen (beinahe zwei pro Jahr), und steht in dem Ruf eines Regisseurs, der selbst aus dem bescheidensten Text Magie herauspressen kann. Zu seiner Arbeit gehören schöpferische Neuinszenierungen Elisabethanischer Klassiker ("Shake" nach Was ihr wollt, "Dog Face" nach Thomas Middletons Wechselbalg und "Presque Hamlet") sowie einige zeitgenössische Risiken wie "William Burroughs surpris en possession du Chant du vieux marin de Samuel Taylor Coleridge" von Johny Brown, "Le Musée du desir" von John Berger und eine Version des "Mädchens mit den Zündhölzern" von Hans Christian Andersen mit der englischen Band The Tiger Lilies. Dazu kommen fünf Opern und zwei gefeierte Produktionen, die jetzt im Repertoire der Comédie Française sind: "Les Précieuses ridicules" und "La Grande Magie".

Der Erfolg geht freilich selten einen gerade Weg, und so hat auch Jammett einige Herausforderungen zu bestehen gehabt: Flops wie am Théâtre de Marigny in der letzten Saison, als die Kritik "Le Donneur de bain" herunterputzte. Sein neuestes Stück, La Comédie des erreurs, zeigt den Regisseur hingegen wieder auf seinem vertrauten Terrain, der ihm seinen ersten großen Erfolg in Frankreich einbrachte: "Shake" wurde 2002 mit dem Prix de la revelation théâtrale der französischen Theaterkritiker ausgezeichnet.

Molly Grogan: Was brachte sie zur Komödie der Irrungen und wie kamen sie darauf, nur zwei Schauspieler die beiden Zwillinge spielen zu lassen?

Dan Jemmett: Ich mag das Stück seit jeher. Es wird in England häufig und sehr schlecht gespielt, weil man es, wie ich denke, seinem vordergründigen Nennwert nach betrachtet: Es ist eine Farce, verständlich auch für Kinder und eine Art Shakespeare für Anfänger.

Doch ich war schon als Kind von der Grazie beeindruckt, die darin zu finden ist. Und natürlich von den Randbemerkungen, die die beiden "Antipholusse" gegenüber dem Publikum fallen lassen; generell interessieren mich diese "Apartes" in Elisabethanischen Texten, weil sie ganz unmittelbar mit den Konventionen brechen. Und dann wollte ich es als Reisestück auf möglichst wenige Schauspieler reduzieren ... Das ist eine Form, die ich wohl schon seit meiner Arbeit mit Puppen herumtrage.

paris-theater.blogspot.com
Sonntag, 23. Januar 2011


Zur Person

Regisseur Dan Jemmett wurde in London geboren. Er studierte an Goldsmiths College und am Birkbeck College der University of London. Als erstes inszenierte er Punch and Judy ("Kasperle") als Straßenshow mit dem Puppentheater von Norwich. Gemeinsam mit Marc von Henning gründete er die experimentelle Theatergruppe Primitive Science.

Der Regisseur Dan Jemmet erwies sich schon bald als produktiver Erfinder von Bildern, als er nacheinander den Hamlet mit einem einzigen Schauspieler ("Presque Hamlet"), ein Was ihr wollt mit fünf Akteuren, die das Shakespeare-Thema der Verkleidung ausspielten ("Shake"), eine pantomimische Version der Cinderella und eine Inszenierung nach einem Veroneser Gemälde vorstellte. Das Interesse am Elisabethanischen Schauspiel führte ihn zu einer Puppen-Inszenierung des Dr. Faustus von Christopher Marlowe. Außerdem brachte er zwei Stücke des Jakobitischen Theaterdichters Thomas Middleton auf die Bühne.

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