NGZ Online 25.3.2006 von Helga Bittner

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Neuss Fahnen und Festivalzeitung sind nicht die einzigen Neuerungen, die das 16. Shakespeare-Festival im Globe begleiten werden. Viel wichtiger ist da noch, dass das internationale Theatertreffen erstmals in seiner Geschichte einem anderen großen Ereignis ausweicht: der Fußball-WM. Die Macher sehen die Verschiebung indes mit großem Selbstbewusstsein: „Um die Fußballweltmeisterschaft nicht zu gefährden“, heißt es, sei das Festival in den Juli vorgerückt.
Der spätere Termin habe die Planungen zwar nicht gerade einfacher gemacht, gab Kulturreferent Dr. Rainer Wiertz, der das Programm zusammenstellt, Freitag bei der Spielplan-Präsentation zu, aber dennoch: Mit 32 Vorstellungen von zwölf Stücken, die sich auf zehn Companien verteilen wurden zumindest zahlenmäßig keinerlei Abstrich gemacht.

Recht blutrünstig wird es im Sommer auf der Bühne des Globe zugehen, denn mit Shakespeares „Titus Andronicus“ und seinem „Richard III“ sowie „Edward II.“ seines Zeitgenossen und Dichterkollegen Edward Marlowe wurden gleich drei Stücke eingeladen, in denen sich wahrlich fast alles um Mord und Totschlag dreht. „Titus Andronicus“ ist dabei die Arbeit eines Regisseurs, dessen leichte Hand für „The Merry Wives of Windsor“ im vergangenen Jahr begeisterte: Stephen Jameson hat die Tragödie für das Mercury Theatre aus Colchester inszeniert.
„Edward II“ ist fast schon eine Auftragsarbeit für das Festival. Deren Regisseur Malachi Bogdanov („Shakespeare's Italian Job“, Kill Bill Shakespeare“) hat nämlich bei Wiertz angefragt: „Was hättet Ihr doch noch gerne?“ Der Kulturreferent braucht nicht lange für die Antwort, denn „Edward“ ist für ein Stück, das er schon immer dabei haben wollte, und so hat Bogdanov das Stück für die Wales Theatre Company bearbeitet.
Mit „Richard III.“ kommt eine Globe-Erstling nach Neuss: Janusz Wìsniewskis polnische Bearbeitung für sein Teatr Nowy aus Posen ist mehr ausgezeichnet worden - und bewegte die Festivalmacher zu einem Experiment: Während der Aufführung läuft ein Band mit den deutschen Untertiteln. Ebenfalls zum ersten Mal dabei ist die Bayerische Theaterakademie August Everding, die nach den Worten von Wiertz einen ganz modernen „Hamlet“ auf die Bühne bringt: mit einer weiblich besetzten Titelrolle und insgesamt „sehr fragil, sehr differenziert“, lautet das Wiertz'sche Urteil.
Sein Debüt beim Shakespeare-Festival erlebt Tom Stoppards Stück „Rosenkranz und Güdelstern sind tot“. Thomas Weber-Schallauer hat es zur großen Freude in Deutsch für e bremer shakespeare company eingerichtet, denn „es ist ein wunderbares Stück, aber es lebt so über die Sprache, dass eine englischsprachige Inszenierung im Globe wenig Sinn machte“.
Die beiden Diener aus dem „Hamlet“ dürfen sich endlich selbstständig machen und einen ganzen Abend bestreiten. Die Bremer haben zudem noch ein zweites Stück im Gepäck: das eher wenig gespielte „Zwei Herren aus Verona“, ebenfalls inszeniert von Thomas Weber-Schallauer.
In Edingburgh auf dem „Fringe-Festival“ - ein Treffen der Auslese unter den internationalen freien Compagnien - hat Wiertz eine Truppe entdeckt, die zum ersten Mal den Weg nach Neuss nimmt: die Yohangza Visual Theatre Company aus Seoul hat den „Sommernachtstraum“ mit einer koreanischen Legende verknüpft und beschert mit Masken und Bewegung ein visuelles Erlebnis, bei dem es laut Wiertz „egal ist, ob man den Text versteht oder nicht“. Die kürzeste Anreise zum Globe hat übrigens das Rheinische Landestheater, das mit Astrid Jakobs Inszenierung von „Wie es Euch gefällt“ dabei ist.
Für die Eröffnung des Festivals verspricht Wiertz gleich ein „ erstes Highlight“. Aus New York kommt die Aquila Theatre Company mit „Twelth Night“ , ein „skurrile Inszenierung“, in der auch Weihnachtsbäume in ihren Platz haben. Die Truppe , die in Amerika aus zwei Mannschaften besteht - eine spielt am Ort, die andere geht auf Reisen - wird zudem noch die „Comedy of Errors“ präsentieren.
Der Schlusspunkt des Stückereigens - bevor sich dann nach Patrick Spottiswoode's „Lecture“ wieder die Türen des Globe schließen - ist stark Neuss-lastig: Norbert Kentrup, in der Quirinusstadt, geboren, hat für „Shakespeare und Partner“ das wohl berühmteste Stück eingerichtet, nämlich „Romeo und Julia“ und die Rolle von Julias Mutter mit der Neusserin Elke Küppers besetzt.
Info www.shakespearefestival.de, 20. Juli bis 19. August, Karten ab Samstag, 29. April