Das Globe

Das Globe
Das Globe, Foto Christoph Krey

My wooden O

„My wooden O“ so nannte Shakespeare zärtlich sein „Globe Theatre“, das im Jahre 1599 am Südufer der Themse von der Theatertruppe „The Chamberlain's Men“ erbaut wurde. Shakespeare - seit 1594 Teilhaber der Truppe – schrieb für sie seine Theaterstücke und stand auch als Schauspieler auf der Bühne. Das „Globe“ war eines von fünf bis sechs „playhouses“, die es im damaligen London gab. Solche festen Spielstätten waren jedoch eine Neuheit im elisabethanisch geprägten England. Erst 1574 erbaute James Burbage das erste dieser playhouses, „The Theatre“ in London. Auch er schloss sich später „The Chamberlain's Men“ an, die in dieser Zeit eine der erfolgreichsten Theatertruppen darstellte.

In der Konstruktion des Globe war die Urform des Theaters – das Amphitheater – nachempfunden. Sie zeichnete sich durch den unmittelbaren Kontakt von Schauspielern und Zuschauern aus, die von der Tribüne und den zwei übereinander gebauten Rängen dem Bühnengeschehen direkt folgen konnten. Eine genaue Beschreibung des Globe ist jedoch nicht überliefert. Bekannt ist lediglich, dass es aus Holzwänden und einem Strohdach bestand und vermutlich in einem sechseckigen Rund um eine nach drei Seiten hin offene Bühne gebaut war.

Die Nähe zwischen Zuschauer und Schauspieler konnte jedoch auch „unangenehme“ Folgen für die Schauspieler haben: Denn der typische Zuschauer des elisabethanischen Theaters – im Globe soll Platz für etwa 1200 gewesen sein – äußerte seinen Unmut über ein Stück direkt und drastisch: Bei Missfallen bewarf er die Schauspieler mit den Abfällen seines mitgeführten Picknicks. Shakespeares Truppe mag dies aber recht selten passiert sein, wie es aus den teilweise neidvollen Äußerungen ihrer Konkurrenten zu entnehmen ist. Lange stand das „Globe Theatre“ nicht, denn bereits nach 14 Jahren brannte es im Jahre 1613 ab. Das Zweite, nun aus Stein gebaute Globe fiel einem anderen Feuer – dem Eifer theaterfeindlicher Puritaner – zum Opfer, in deren Auftrag es 1644 abgerissen wurde.

Von Rheda-Wiedenbrück nach Neuss

Ermöglicht wurde das Neusser Globe durch ein innovatives Zusammenwirken von Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. Alte Tradition ist, dass eine Firma zu ihrem 100jährigen Bestehen der Stadt einen Brunnen schenkt. Doch ist ein Brunnen heutzutage eigentlich nicht mehr das, was eine Stadt unbedingt braucht, und so verfiel der Neusser Bauverein, der dieses sagenhafte Jubiläum 1991 feiern konnte, auf die Idee, seiner Heimatstadt ein Theater zu schenken – den Nachbau des Globe von Theatermacher Reinhard Schiele, der in Rheda-Wiedenbrück zur Bundesgartenschau 1988 entstanden war. In einem ersten Entwurf sollte das zwölfeckige Globe aus Holz bestehen, um als eine Art Wanderbühne in relativ kurzer Zeit auf jedem Markt- oder Kirmesplatz auf- und wieder abgebaut werden zu können. Die Feuerschutzbestimmungen machten diesem Plan bald ein Ende und die wesentlich aufwendigere und gewichtigere Holz-Stahlkonstruktion des heutigen Globe Theaters wurde entwickelt und fand 1991 seine neue Heimat auf der Rennbahn in Neuss, wo die sommerliche Atmosphäre des Globe mit seinem Shakespeare-Garden vor und nach den Aufführungen genossen werden kann – wenn der flackernde Kerzenschein zum Verweilen einlädt.